von Hans-Joachim Schneider
Vor 400 Jahren starb der Däne
Tycho de Brahe, ein Astronom ohne Fernrohr!
| Sein astronomischer
Werdegang begann mit der Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis am
21. August 1560. Damals galt das Weltbild des alten Griechen Ptolemäus:
die Erde steht im Mittelpunkt der Himmelskugel, die sichtbaren Sterne sind
feste Objekte an der äussersten Schale der sich um die Erde drehenden
Sphären, die wandernden sieben Gestirne sind jeweils inneren Schalen
zugeordnet. Die Wochentage sind nach ihnen benannt: Sonne, Mond, Mars,
Merkur, Jupiter, Venus, Saturn. Die Kometen entstehen aus der Atmosphäre
und sind glühende "Luftsteine" wie die Meteoriten, die auf die Erde
fallen. Der Himmel ist festgefügt von Anbeginn bis in alle Ewigkeit.
Tycho de Brahe war ein sturer Kopf, er glaubte nur, was er selbst erkennen konnte. Die exakten Berechnungen des Kopernikus überzeugten ihn. Aus der Beobachtung der Bahnen der Venus und des Merkur fand dieser als Ergebnis, die beiden Planeten kreisen um die Sonne, und der Mond umkreist die Erde. Aber war diese Berechnung der kreisförmigen Planetenbahnen auch gültig für den Planeten Mars und für die nur langsam wandernden Planeten Jupiter und Saturn? |
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| Am 11.11.1572
entdeckte Tycho de Brahe im Sternbild Cassiopeia einen Stern, den er vorher
dort nicht gesehen hatte. Diesen "neuen" Stern durfte es nach der Lehre
des Aristoteles nicht geben, alles am Himmel war bereits bei der Schöpfung
gestaltet. Die Sonne, der Mond, die Planeten und die Kometen bewegten sich
auf festen Bahnen. Ihre Position konnte an der Projektion gegen den festen
Hintergrund der Fixsterne abgelesen werden. Aus dieser veränderlichen
Parallaxe konnte man ihre Bewegung bestimmen und vorhersagen. Da Tycho
de Brahe bei dem neuen Stern keine Parallaxe messen konnte, war dieses
historische Weltbild für ihn brüchig geworden. Ein neuer Sternkatalog
mußte aus eigener Beobachtung erstellt werden.
Der König von Dänemark Friedrich der II. unterstützte den Bau einer prächtigen Sternwarte. Dazu ließ sich Tycho de Brahe eigene Instrumente bauen, die genauesten Winkelmeßgeräte seiner Zeit, die größten mechanischen Modelle der Planetenbewegungen und genaue Sterngloben. Diese großartige Forschungsstätte hatte kein einziges Fernrohr, es war noch nicht erfunden worden. |
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| Aus seinen
Messungen der Kometenbahnen und der Planetenbewegung war für Tycho
de Brahe die Struktur des Universums festgelegt. Der Mond zog seine Bahn
um die Erde, die Planeten und die Kometen umkreisten die Sonne, die wiederum
mit allen ihren Trabanten um die Erde kreiste. Nur die Bahn des Mars paßte
nicht in das tychonische System, mit der ruhenden Erde in der Weltmitte.
Aber die Beobachtungen der Schleifenbahnen des Planeten Mars während der Opposition waren so genau, daß Johannes Kepler nach dem Tod Tycho de Brahes daraus die berühmten Gesetze der Planetenbewegungen ableiten konnte: über die Ellipsenbahnen, die Bahngeschwindigkeit und die dazu gehörenden Abstände von der Sonne. Die feste Basis der Erde war für Tycho de Brahe dadurch bewiesen, dass er keine Parallaxe an den Fixsternen messen konnte, die während eines Umlaufs um die Sonne auftreten müßte. Erst einige Jahrhunderte später gelang es F.W. Bessel mit präzise gebauten, optischen Fernrohren, diese äusserst geringe Parallaxe zu messen. |
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| Für
den Prozeß gegen den ebenso sturen Galileo kam dieser Beweis zu spät.
Dieser 28 Jahre nach Tycho de Brahe geborene junge Italiener hatte mit
seinem einfachen Fernrohr den Himmel beobachtet und behauptet, der Planet
Jupiter wird von 4 Monden umrundet. Auch die Erde sei ein Planet, der um
die Sonne kreist. Damit war die Zahl der Objekte am Himmel wieder angewachsen,
das geozentrische Weltbild der Kirche geriet ins Wanken und Galileo mußte
seinen angeblichen Irrlehren abschwören.
Heute im Zeitalter der Weltraumteleskope, der Supercomputer und der Raumfahrt verfügen wir über äusserst präzise Instrumente, um das Universum zu durchmustern und zu vermessen. Aber auch 400 Jahre nach Tycho de Brahe können wir mit unseren eigenen Augen einen neuen Stern entdecken, einen hellen Kometen bewundern und die Lichtspuren der Meteoriten verfolgen. Mit einem einfachen Fernrohr können wir wie Galieo das Sonnensystem durchmustern und seine Beweise für uns selbst bestätigen: Unser Planet Erde dreht sich jeden Tag um sich selbst, und wandert jedes Jahr um die Sonne. |
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